Wie hat uns das Reisen durch Kambodscha gefallen?

Erstmal zum Verkehr vor Ort :

Das der asiatische Verkehr anders sein wird als in Europa war durchaus zu erwarten, aber dennoch ein Schock für uns. Grade unsere erste Fahrt mit einem Tuk Tuk vom Flughafen in Phnom Penh zu unserer Unterkunft war wirklich heftig. Wer hupt das größere Fahrzeug hat, hat Vorfahrt. Ampeln und Zebrastreifen werden nicht beachtet.Völlig bekloppt und nicht ganz ungefährlich. Sich daran zu gewöhnen war ganz schön schwierig, aber nach einiger Zeit gehörte der Verkehr halt irgendwie zum Land dazu. In der zweiten Woche begannen wir dann auch selber in den Verkehr einzusteigen in dem wir uns in mehreren Orten Roller mieteten. Da ich viel gefahren bin und Anna-Lena hinten drauf saß, hatte ich die ganze Verantwortung über unser Schicksal. Die ersten Fahrten hatte ich großen Respekt und bin sehr vorsichtig gefahren. Mir wurde erst auf den Straßen selber bewusst, wie verrückt die Einheimischen eigentlich wirklich fahren. Von außen sieht das schon echt extrem aus, aber wenn man selber auf dem Roller inmitten einer riesigen Kreuzung steht und alle wild drauflos fahren ist das nochmal eine andere Nummer. Aber Übung macht bekanntlich den Meister. Auch im kambodschanischen Verkehr. Ich wurde immer sicherer und Anna-Lena sagte nach ein paar Tagen zu mir „ Du fährst schon wie ein Einheimischer“. Tatsächlich bin ich vorher noch nie Roller gefahren und war überrascht wie spaßig es ist. Es macht echt richtig Laune. Zusätzlich genossen wir das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, da man einfach überall anhalten kann wo es einem gefällt. Aus diesem Grund sind wir sehr froh uns getraut zu haben, dem Verkehr eine Chance zugeben und somit das Land noch besser erkunden zu können. 

Die kambodschanische Küche :

Da Anna-Lena mehrere Allergien gegen die verschiedensten Zutaten hat, waren wir am Anfang ein wenig eingeschränkt, was das Essen betrifft. Eine der Allergien betraf jede Art von Nüssen und Soja. Problematisch in Asien, da Erdnüsse und Sojasauce nahezu in jeden einheimischen Gericht enthalten sind. Dementsprechend ängstlich war Anna-Lena gegenüber neuen und unbekannten Gerichten. Aus diesem Grund sahen wir uns gezwungen die ersten Tage bekanntes Essen zu uns zu nehmen, wie Pizza, Burger, Nudeln und Pommes. Da das nicht auf unserer ganzen Asienreise funktionieren würde war klar. Da ich diese Probleme nicht habe probierte ich mich aber schon an einigen unbekannten Dingen aus und wurde nicht ein mal enttäuscht. Der Dosenöffner des Problems von Anna-Lena war der Nachtmarkt in Phnom Penh. An einem der Streetfoodstände holte ich mir mal wieder irgendwas, wo ich nicht wusste was es war. Dieses Mal waren es Chicken Spieße, Papaya Salat, grüne lange Bohnen oder sowas ähnliches, Pilze am Spieß, Sweet Reis und einen gegrillten Frosch. 

Hier noch einmal das Bild vom Nachtmarkt🐸

Es sah wirklich gut aus und auch Anna-Lena probierte sich ein wenig aus. Der Dosenöffner war es deshalb, da der Reis und die Hähnchen Spieße mit einer großen Menge an Sojasauce zubereitet wurden. Wussten wir beide nicht. Wie es der Glücksfall nun wollte, wurde an diesem Abend klar, das Anna-Lena gar keine Allergie gegen Sojasauce hat, sondern vermutlich nur gegen Sojamilch, was ein gewaltiger Unterschied ist. Ab diesem Zeitpunkt wurde sie immer mutiger und probierte einige einheimische Gerichte aus wie zum Beispiel Amok, Lok Lak, KhmerCurry oder Fried Rice und Fried Noodle vom Straßenstand. Das machte die Nahrungsaufnahme für uns um einiges einfacher und spiegelte sich auch in unserem Portmonee wieder. Denn einheimisches Essen ist deutlich günstiger als Western Essen und meiner Meinung nach auch deutlich leckerer.

Ich möchte kurz die beiden Nationalgerichte Lok Lak und Amok näher beschreiben, da wir diese beiden wirklich oft gegessen haben. 

Lok Lak besteht aus Rindfleischstreifen die scharf angebraten werden und in einer würzigen Zwiebelsojasauce serviert werden. Oben drauf kommt ein Spiegelei. Dazu gibt es eine große Portion Reis. Anna-Lenas Lieblingsgericht.

Amok ist ein Curry, dass es in verschiedenen Varianten gibt. Mit Chicken, Fisch oder Shrimps. Wir haben es oft mit Chicken gegessen. Außerdem findet man Kürbis, lange grüne Bohnen, Zwiebeln und Süsskartoffeln in dem Gericht. Gewürzt wird das ganze mit Limettenblättern und dem berühmten Kampot Pfeffer. 

Spezielle kambodschanische Getränke haben wir jetzt nicht finden können, aber die Khmer trinken guten Tee und davon auch mal eine Tasse mehr. Welcher Tee das nun war, keine Ahnung, aber er war lecker und in vielen Garküchen sogar umsonst. Sonst trinkt man bei der Hitze natürlich viel Wasser. 

Was uns gut gefallen hat, dass man an fast jeder Ecke einen frisch gemachten Fruchtshake für wenig Geld bekommen hat. Auch ausgefallene Sorten wie Drachenfrucht oder Litschi haben wir probiert. Sehr lecker, gesund und macht fit für den Tag.

Noch ein Wort zum Bier. Unglaublich günstig für nicht mal 40cent und auch echt gut. Mein Liebling war das berühmte Angkor Bier vom Fass. Ein Traum. 

Alles in allem hat uns die kambodschanische Küche sehr gut gefallen, obwohl wir glauben längst nicht alles probiert zu haben, da sie sehr vielfältig ist. Wir sind gespannt welche kulinarischen Erfahrungen wir noch in Asien machen dürfen und freuen uns sehr darauf. 


Die Menschen vor Ort :

Das südostasiatische Menschen offen und herzlich sein sollen haben wir schon vor unserer Reise gelesen. Aber unsere Vorstellungen wurden deutlich übertroffen. Klar, hat man auch mal Pech und man begegnet einem Khmer der nicht so gut gelaunt ist, aber überwiegend hatten wir das Gefühl sehr willkommen in dem Land zu sein. Auch auf der kuriosen Busfahrt nach Kampong Chnang, wo uns der ganze Bus angestarrt hat hatte ich das Gefühl, dass die Menschen uns nicht abwertend ansahen, sondern eher neugierig und freundlich. Wir haben so tolle Menschen in Kambodscha kennengelernt und sind wirklich froh darüber. Diese Gastfreundlichkeit, die viele Hostelbesitzer an den Tag legen ist sehr bewundernswert und macht den Aufenthalt noch ein wenig besser. Unser absoluter Liebling war Chingsong. Er war der Besitzer von unserem Hostel in Battambang und hat uns förmlich jeden Wunsch von den Lippen abgelesen und war super freundlich. Es hat Spaß gemacht sich mit ihm zu unterhalten. Außerdem ist uns aufgefallen, dass viele Kambodschaner kaum Englisch sprechen. Das ist denen aber egal, sie versuchen trotzdem mit den Touristen zu kommunizieren. Ist nicht immer einfach und manchmal versteht man auch nicht wirklich viel, aber teilweise sehr lustig und einfach niedlich. Übrigens haben die Menschen einen sehr witzigen Humor, ob wir den immer so verstanden haben weiß ich nicht, aber war auf jeden Fall lustig. 

Kambodschanische Kinder sind durch die Bank weg alle süß. Sie lächeln dich an, rufen hallo und winken. Dass hat uns sehr berührt und war wirklich großartig. Die Einheimischen haben hier deshalb einen eigenen Absatz verdient, da wir uns einfach so wohl gefühlt haben und es wirklich Spaß gemacht hat umgeben von Kambodschanern zu sein. 

Wie hat uns Kambodscha von der Landschaft her gefallen?

Ich könnte jetzt ganz viel zu geografischen Fakten und so ein Kram schreiben. Mach ich aber nicht. Ich schreibe über unsere Erfahrungen über die wirklich wunderschöne Landschaft und Natur Kambodschas. Aber zuerst möchte ich auf das wahnsinnige Müllproblem hinweisen, was Kambodscha hat. Das hat vermutlich jedes asiatische Land, aber da es unser erstes Mal in Asien war waren wir doch geschockt. 

So viel Müll habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Auf den Straßen, am Strand, einfach überall. Man kann dem Land nicht vorwerfen, dass es nicht bemüht ist das Problem zu beheben, aber es kommt einfach nicht gegen an. Das hat uns wirklich erschreckt und macht einen trüben Eindruck.

 Ein Beispiel: wir waren in Battambang als das traditionelle Wasserfest stattfand. Drei Tage lang. Ähnlich zu vergleichen wie bei uns in Oldenburg das Stadtfest. Wir kamen am letzten Abend des Festes an. In Oldenburg ist die Innenstadt am nächsten Tag wie geleckt. In Battambang nicht. Drei ganze Tage später lag der Müll des Festes immer noch auf den Straßen und kein Mensch hat es interessiert. Kinder spielten im Müll und Hunde aßen Plastik. Sowas verstehen wir dann wiederum nicht und können uns das nicht erklären. 

Aber nun zum Land selber. Kambodschas Natur ist unglaublich schön. Grüne Reisfelder, dicht bewachsener Dschungel und intakte Korallenriffe auf den Inseln. Einfach atemberaubend. Leider macht der Müll einige dieser traumhaften Orte kaputt. Wie viele auf der Welt. Aber trotzdem gibt es noch unberührte Ecken und das macht Kambodschas Natur so schön. 

So ein unglaubliches Grün wie von den Reisfeldern habe ich noch nie gesehen. Auch aus diesem Grund kann ich  Kambodscha wärmstens weiterempfehlen.

Transport - wie sind wir von A nach B gekommen?

Sicherlich kommt die Frage inzwischen auf, wie wir uns von A nach B fortbewegt haben. Zu aller erst - auf eigene Faust Rollerfahren in einigen Teilen Kambodschas ist nicht zu empfehlen! Dafür ist der Verkehr einfach viel zu überwältigend und somit einfach zu gefährlich- zum Beispiel in Phnom Penh. Dafür gibt es aber unzählige Alternativen, unter anderem die berühmten Tuk Tuk‘s, mit denen wir im Zentrum sehr gut von A nach B gekommen sind. Hier gilt handeln! Bei längeren Strecken, zum Beispiel von einer Stadt zur nächsten, bieten sich einige Busunternehmen an, die mit klimatisieren Bussen und angenehmen Preisen zu buchen sind. Da die Strecken in Kambodscha die meiste Zeit zwischen 3 - 4 Stunden blieben, war das Busfahren an sich ziemlich erträglich. Also an alle Bushasser, so wie ich, es ist machbar🙏🏽 Mehr an Transportmöglichkeiten haben wir in der Regel nicht gebraucht, da im Zentrum vieles sehr gut zu Fuß zu erreichen ist. In den Gegenden wo man ohne Probleme Rollerfahren kann sind : Kampot, Kep, Kamong Chhnang, Battambang und Siem Reap. Da sich das Üben mit dem Roller in Kampot oder Kep gut anbietet, fällt es einem um so leichter in Gegenden wie Siem Reap mit ein wenig mehr Verkehr, zu fahren.

Hygiene - Unterschiede zwischen Deutschland und Kambodscha :

Für uns aus Deutschland natürlich komplettes Neuland, was uns glaube ich auch in den ersten Tagen anzumerken war.

Statt einer normalen Klobürste, wie wir sie üblicher Weise kennen, bekamen wir eine Art Hochdruckreiniger zur Beseitigung von Fäkalien. 

Kakerlaken waren in einigen sehr günstigen Hosteln teilweise unsere Mitbewohner - ein Alptraum. Aber das war zum Glück nur in den seltensten Fällen! Bisher hatten wir überwiegend Glück mit unseren Unterkünften und konnten uns eigentlich ganz glücklich schätzen. Jedoch war es nicht nur bei Unterkünften oder Badezimmern eine Umstellung für uns, sondern auch bei der Essenzubereitung. Eine Küche wie wir sie kennen, kann man hier nicht wirklich erwarten. Ich glaube manchmal will man auch gar nicht genauer hinter die Kulissen schauen. Mittlerweile zählt für uns nur noch, ob das Essen schmeckt oder nicht, alles andere blenden wir in dem Moment dann erstmal aus. Schließlich kann man den hohen Standard aus Deutschland nicht überall verlangen und erstrecht nicht in Kambodscha. Die Menschen leben hier halt etwas einfacher und auf ihre Art und Weise, womit wir uns zufrieden geben müssen. Wir sind mittlerweile sehr froh darüber, Teil dieses Lebens sein zu dürfen. 

Auch auf den Straßen Kambodschas wird deutlich, dass auf die Müllbeseitigung nicht viel wert gelegt wird. Wir haben teilweise nach Mülleimern auf den Straßen im Zentrum gesucht - aber lange nichts gefunden. Wenn man mal eine Mülltonne findet, ist sie entweder total überfüllt oder schon längst kaputt, so dass der Müll drum herum verteilt liegt. Muss das sein? - Für die Kambodschaner  anscheinend etwas ganz normales und kein Störfaktor. Für Paul und mich war es jedoch ziemlich schwer sich an die Verhältnisse vor Ort zu gewöhnen. Was uns auch aufgefallen ist, gerade in Phnom Penh, dass einige Menschen dort ihren Müll sogar in dem großen Mekong River entfernen, nur weil vielleicht der Weg bis zum nächsten Mülleimer zu weit scheint. Was sie damit anrichten, scheinen die Menschen nicht im Hinterkopf zu haben - traurig sowas. Aber nun ja, anderes Land, andere Sitten. Somit stand für uns fest, dass wir damit leben mussten, ob es uns passt oder nicht. Wir können von Glück reden, Umstände oder Verhältnisse wie diese miterlebt und kennengelernt zu haben, denn erst hinterher schätzt man doch erst die Dinge, die man in seinem Leben hat. Und dazu zählt nunmal auch unser Zuhause - in Deutschland.