Taman Negara - inmitten des Dschungels

Eher durch Zufall sind wir auf den National Park Taman Negara gestoßen. In den Cameron Highlands hat uns ein Einheimischer davon erzählt. Was ein Glück. Der Nationalpark ist so groß wie Luxemburg und ein echter Geheimtipp. Eigentlich wollten wir an die Ostküste auf die Perhentian Islands doch wegen der Monsumzeit sind alle Inseln an der Ostküste für Touristen nicht zu bereisen.

Also musste eine Alternative her. Der Taman Negara schien perfekt dafür geeignet zu sein. Mit einem Minivan den wir ganz für uns alleine hatten fuhren wir nach Jerantut. Eine kleine Stadt am Rande des Nationalparks wo wir in einem anderen Minibus zur Fähre gefahren wurden. 

Fähre also. Zumindest nannten sie es so. Es war ein aus Brettern zusammengezimmertes Etwas das schwimmt. Mehr auch nicht. Mit diesem Ding tuckerten wir in etwa drei Stunden den Tembeling River hoch bis zu unserem Ziel. Die Fahrt verlief folgendermaßen ab: die erste Stunde war alles ganz aufregend und wir haben links und rechts den dichten Dschungel bestaunt

Die zweite Stunde haben wir gepennt und in der dritten Stunde taten unsere Allerwertesten so dermaßen weh das wir heilfroh waren aus unserer Nussschale aussteigen zu können. 

Endlich angekommen in Kuala Tahan. Ein kleines Dorf mitten im Dschungel. Wie geil ist das. Das Dorf ist wirklich süß und wir freuten uns auf die kommenden Tage. 

Bei unsere Ankunft wunderten wir uns über die vielen „schwimmenden Restaurants“ am Ufer. 

Mehrere Holzhütten schwammen auf dem Fluss und die Leute saßen da und löffelten ihre Süppchen. Richtig idyllisch. 

Unsere Unterkunft war nix besonderes aber dafür sauber. Einfaches Doppelzimmer, eigenes Bad. Passt. Wir hatten eh keine großen Erwartungen an unsere Unterkunft. Wir waren schließlich mitten im Regenwald. Vor unserem Zimmer lungerte jeden Tag eine Katze herum. Sie war wirklich zutraulich und extrem verspielt. Wir fütterten sie und gaben ihr Wasser. Somit hatten wir unsere eigenes Haustier. 

Was kann man im Dschungel machen? Klaro. Wandern. Ich freute mich tierisch. Anna-Lena hingegen war ein bisschen skeptisch. Gott sei dank hatten wir in den Cameron Highlands vernünftige Wanderschuhe für Anna-Lena besorgt sonst hätte sie die Ausrede gehabt das sie mit ihren Vans gar nicht wandern kann. Alles richtig gemacht. 

Um einen der Wanderwege zu erreichen und zum Parkeingang zu kommen musste man den Fluss überqueren. An einem der schwimmenden Restaurants fuhr alle paar Minuten ein kleines Wassertaxi ab um die Leute auf die andere Seite zu bringen. 

Wir hatten uns im Vorfeld bei einigen Einheimischen informiert und man empfahl uns die Einsteigerwanderung. Einen neun Kilometer langen Rundgang über einen kleinen Berg hinauf und zurück zum Bootsanleger. Über Holzplatten ging es einfach los aber wurde immer anspruchsvoller. Gerade die extrem hohe Luftfeuchtigkeit machte uns zu schaffen. 

Nach einer halben Stunde kamen wir an einem kleinen Hochsitz an und machten die erste Pause. Wir hatten Glück und konnten eine Gruppe Affen entdecken die ganz entspannt von Baum zu Baum sprangen und alles fraßen was ihnen den Weg kam. Die Affen beachteten uns überhaupt nicht und dadurch konnten wir sie ganz lange beobachten bis sie sich tiefer in Dschungel aufmachten. 


Für uns ging es nun bergauf zu unserem eigentlichen Ziel. Der Bukit Terasek. Ein kleiner Berg mit schöner Aussicht über den Regenwald. Wir genossen den Ausblick sehr und ruhten unsere Beine aus denn der Aufstieg war echt anstrengend. Doch es hat sich gelohnt.

Auf der anderen Seite des Berges ging es nun steil bergab und nur mithilfe von befestigten Seilen schafften wir den Weg hinab. 

Bei einer unseren Pausen trafen wir einen deutschen der sich vermutlich verlaufen hätte, hätten wir ihm nicht den Weg gezeigt. Mit Moritz zusammen gingen wir den Rest des Weges zurück und wir verstanden uns auf Anhieb. Er erzählte uns von einer Wanderung zu einem natürlichem Wasserpool zu dem er am nächsten Tag gerne wandern möchte. Da sind wir natürlich dabei. 

Zurück im Dorf verabredeten wir uns für den Abend um ein Bier zu trinken. Das Hostel von Moritz war die einzige Möglichkeit in Kuala Tahan um Bier zu kaufen und entspannt dort zu sitzen. Wie der Zufall es so will waren dort auch noch andere Reisende die ein abendliches Bierchen trinken wollten. Alles Deutsche. Etwa zehn Deutsche sitzen mitten im Dschungel und trinken Bier. Wie absurd. Aber wie cool! 


Moritz hatte im Vorfeld ein Boot gechartert das uns am Lata Berkoh, den natürlichen Wasserpools wieder abholen sollte. Wir hatten also knapp vier Stunden Zeit für acht Kilometer. Eigentlich easy. Der Weg war wunderschön und deutlich abenteuerlicher als der am Vortag. 

Moritz hatte am Tag davor ein Pärchen getroffen das genau auf dieser Wanderung eine Herde Elefanten gesehen haben will. Gar nicht so abwegig denn schließlich leben über 700 Elefanten im Nationalpark. Auf etwa halber Strecke war es dann soweit. Die erste echte Spur auf der Suche nach den Elefanten. Riesengroße Kothaufen lagen auf unserem Weg und rechts und links waren Büsche abgeknickt und Bäume lagen herum. Hier sind mit Sicherheit vor kurzem Elefanten lang gekommen. Leider konnten wir keine entdecken. 

Wir bekamen ganz andere Probleme. Es regnete aus Eimern und machte den Weg nicht grade leichter. Die Wege wurden rutschiger und die fiesen Blutegel kamen heraus. Diese fiesen Viecher krabbelten unsere Schuhe und Socken hinauf um sich mit Blut vollzusaugen. Da man dabei keinerlei Schmerz verspürt merkt man sie gar nicht. Es sah aber fies aus. 

Nach etwa drei Stunden hatten wir ein erneutes Problem. Wir hatten uns verlaufen. Gott sei dank hatten wir eine Offline Karte auf unseren Smartphones heruntergeladen sodass wir zurück gingen um den richtigen Weg zu finden. Wir waren nämlich grade auf dem Weg zu einem  50 Kilometer entfernten Gipfel. Also wieder zurück, richtigen Weg suchen und fertig. Leichter gesagt als getan. Es gab keinen Weg. Unsere Karte zeigte uns einen an aber in der realen Welt fanden wir nur dichten Dschungel. Keinen Weg. Was nun? Den leuchtenden Einfall hatte Anna-Lena. „Wir gehen zum Fluss und warten auf unser Boot was uns abholt“ Manchmal hat sie ihre Momente. Das war genial. Nach etwa zehn Minuten kam unser Boot und fuhr uns das letzte Stück zu den Wasserpools. Was für ein Glücksfall. 

Da es die vorherigen Tage so viel geregnet hatte waren das aber keine Pools mehr sondern rauschende Stromschnellen. Wir hatten uns eigentlich auf die Abkühlung gefreut aber wir waren durch den Dauerregen eh schon so nass das es eigentlich eh egal war. Aber der Weg war heute das Ziel und es hat sich gelohnt. 

Kaputt und völlig durchnässt aber glücklich fuhren wir mit dem Boot zurück zum Dorf. 



Abends saßen wir in der selben Runde wieder zusammen. Vor dem Hostel wo wir jeden Abend den Tag ausklingen ließen saß eine Katze mit seinem Kind. Es war noch sehr jung und extrem verspielt und bot uns eine echt Belustigung. 

An dem Abend lernten Axel und Hendrik besser kennen und verabredeten uns für den nächsten Tag um eine Wildwassertour zu einem Ureinwohnerdorf zu machen. 

Da die Tour erst um 15 Uhr anfing konnten wir lange schlafen. Die letzten beiden Tage saßen uns spürbar in den Beinen. 

Unser Guide holte uns ab und wir stiegen abermals in eine kleine Nussschale ein. Vorab wurde uns geraten Klamotten zu tragen die nass werden dürfen da es feucht werden könnte. Und wie feucht es wurde. Mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit raste das Boot durch die Stromschnellen und machte enge Kurven. 

Das Wasser klatschte uns in Gesicht. Wir hatten einen Heidenspaß. 


Das Ureinwohnerdorf war mehr eine Touristenattraktion als authentisch. Wir gehen davon aus das in diesem Dorf keine Menschen mehr leben sondern als Attraktion für die Touristen genutzt wird. Dennoch haben wir viel über die sogenannten Orang Asil erfahren können. Es gibt noch andere Dörfer die tiefer im Dschungel liegen wo die Menschen vermutlich genauso leben wie man es uns erzählt hat. Spannend war es aber allemal da man uns zeigte wie die Ureinwohner Feuer machen und auf die Jagd gehen. Mit langen Blasrohren schießen sie in Gift getränkte Pfeile auf ihre Opfer. Wir konnten alles selber ausprobieren und das war wirklich sehr interessant. 

Die Rückfahrt war dann das eigentliche Highlight denn wir fuhren den gleichen Weg zurück jedoch drückte der Kapitän deutlich mehr aufs Gas und es wurde noch spaßiger als die Hinfahrt. Klitschnass kamen wir dann in Kuala Tahan an und buchten eine weitere Tour für den Abend. 


Nightsafari. Bewaffnet mit Taschenlampen ging es bei Dunkelheit in den Regenwald. Unser Guide lief vorne und leuchtete mit seiner großen Taschenlampe in die Bäume und am Wegesrand. Was der Typ alles gesehen hat hätte ich heute noch nicht gefunden. Riesige Spinnen, leuchtende Skorpione, Tausendfüssler, Schlangen, einen großen bunten Vogel und eine kleine Gruppe Affen die im Baum schliefen.

Auf halber Strecke blieb unser Guide auf einmal stehen und rieb mit den Händen und freute sich wie ein kleines Kind. Wir sollten leise sein und langsam weitergehen. Er leuchtete mit seiner Taschenlampe auf den Boden. Ich sah mal so überhaupt gar nichts. Plötzlich schnellte die Lichtkugel in die Höhe in einen Baumwipfel. Dann sah ich sie. Riesige Glubschaugen. Einen Slow-Lori. Extrem selten und schwer zu finden. Loris gehören zu den Lemuren und sind wirklich süß. Normalerweise hauen die sofort ab wenn sie angeleuchtet werden. Unser Guide war total aus dem Häuschen und sagte immer wieder was für Glückspilze wir denn sind. Fast 20 Minuten konnten wir den Slow-Lori beobachten bis er weiter zog. Absolutes Highlight des Tages.

Es ist noch mal ein ganz anderes Gefühl abends durch den Dschungel zu laufen. Die Geräuschkulisse ist um ein Vielfaches lauter und der Regenwald wirkt mystisch. Eine wirklich schöne Erfahrung.

Nach der Safari saßen wir wiedermal mit allen in einer Runde und ließen den Abend ausklingen. Am nächsten Morgen sollte es für uns nach Kuala Lumpur gehen um Anna-Lenas Geburtstag zu feiern. Mit dabei. Die beiden Karlsruher Axel und Hendrik. 




Fazit - Taman Negara

Der Taman Negara hat uns wahrlich in seinen Bann gezogen. Wir waren beide noch nie wirklich in einem Regenwald. Klar, in Kambodscha und Thailand gibt es auch Regenwälder aber in beiden Ländern waren wir nie so wirklich IM Dschungel. Hier waren wir mittendrin und es war der Wahnsinn. Dieses Gefühl von Freiheit, umgeben von hohen Bäumen und dichtem Grün zu stehen und die unzähligen lauten Geräusche zu hören ist einfach nur atemberaubend. Der Taman Negara war für uns spontan aber zählt im Nachhinein für uns zu eines der Highlights in Malaysia. Hinzu kam die wirklich tollen Begegnungen und unvergessliche Abende mit anderen Reisenden. 


Hier noch ein paar Bilder vom Dschungel