Neues Land, neue Sitten. Auf den ersten Blick viel zu viel für mich - Kulturschock. Mich auf neue Dinge einzulassen, fiel mir bis dahin eher schwer, jedoch blieb mir ab diesem Zeitpunkt nichts anderes mehr übrig. An den wahnsinnigen Verkehr und der unerträglichen Luft auf den Straßen mussten wir uns erstmal gewöhnen, schließlich hatte man dort als Fußgänger verloren, wenn man die Straße trotz grüner Fußgängerampel überqueren wollte. Dort gibt es nur eine einzige Verkehrsregel und die lautet : Wer das größere Fahrzeug fährt hat Vorfahrt! Mit einem Roller dort zu fahren, kam für uns erst einmal noch nicht in Frage, wir wollten unseren Aufenthalt unverletzt genießen. Unsere erste Unterkunft haben wir noch in Deutschland, kurz vor der Abreise, gebucht. Ein richtiger Reinfall. Schimmel, stickige Luft, Dreck. Dinge, die selbst in einem Hostel für 3$ die Nacht nicht sein müssen. Somit haben wir nach einer schlaflosen Nacht sofort das Hostel gewechselt und konnten die restlichen 3 Nächte in der Hauptstadt Kambodschas noch entspannt verbringen. Im Vergleich zu Deutschland ist es dort deutlich günstiger. Ein Abendessen für 3$ und dazu noch ein Getränk für 0.50$ klingt im ersten Augenblick nicht schlecht. Genau das war unser Fehler - wir haben nicht mehr auf das Geld geachtet und haben in weniger als einer Woche eine Menge Geld ausgegeben. Geld, was uns am Ende vielleicht fehlen könnte. Aber daraus lernen wir. Schließlich ist es für uns beide das Erste mal, komplett auf sich alleine gestellt zu sein und damit auch mit viel Geld umzugehen. Vorher haben wir beide noch Zuhause gewohnt und plötzlich, von einen auf den anderen Tag, leben wir alleine und das auch noch in einem anderen Land. Es war auf jeden Fall eine riesige Umstellung für beide von uns. Trotz alledem gab es für uns viel zu entdecken, denn Phnom Penh ist riesig. Nach einigen Besuchen in den unterschiedlichsten Tempeln, unter anderem im Königspalast, stellten wir uns für einen Tag ein besonderes Programm zusammen - reine Geschichte. Die roten Khmer - eine Schreckensherrschaft, angeführt von Pol Pot, die durch ihre Vorstellung eines radikal - kommunistischen Bauernstaates, zwischen ein - und zwei Millionen Menschenleben auf dem Gewissen haben. Wir wollten mehr über die tragische Geschichte Kambodschas erfahren und begaben uns zu den Orten, an denen sich damals alles abspielte.
S - 21: Früher einmal war es eine Schule, doch in den Jahren zwischen 1975 - 1979 wurde es zu einem Gefängnis umfunktioniert, in denen die Menschen, die dort gefangen gehalten wurden, bis hin zum Tod gequält und gefoltert wurden. In den einzelnen Räumen der Gefangenen ließen sich heute noch Blutspuren auf Böden und Wänden erkennen. Heute dient das Toul - Sleng - Genozid - Museum als Erinnerung an die dort begangenen Verbrechen und deren Opfer.
Killing - Fields: Auf den Killing - Fields wurden damals Massenmorde begangen und die betroffenen Menschen dort begraben. Im Heimatmuseum Choeung Ek sind die unzähligen Schädel der Opfer zu sehen. Heute kann man das großflächige Gelände als eine Art Gedenkstätte betreten. Eine Erfahrung, die uns nachdenklich macht. Viele Fragen, die nicht schlüssig sind und eine Erinnerung für das Leben.
Asien ist bekannt für die unzähligen Straßenstände und gewöhnungsbedürftigen Essengewohnheiten. Mit absoluter Vorsicht haben wir uns Schritt für Schritt ausprobiert. Von Restaurants über Märkte, bis hin zu einfachen Straßenständen. Aufgrund meiner Allergien gegen einige Lebensmittel war ich die erste Zeit ein wenig eingeschränkt und konnte mich nur schwer auf die Essengewohnheiten dort einlassen - aus Angst allergisch darauf zu reagieren und dass, in einem Land, wo nicht einmal die Hälfte richtig Englisch sprechen kann. Würden die Ärzte überhaupt wissen was zutun wäre? - eine Frage, die mir immer noch durch den Kopf geht, wenn ich ein asiatisches Gericht probiere. Wir wollten trotz des Risikos Teil dieser Gewohnheit sein und haben einige Märkte ausprobiert. Während der Central Market eher tagsüber stattfindet und überwiegend von Einheimischen besucht wird, fängt der Night Market Abends an und ist deutlich touristischer. Auf dem Central Market kamen wir aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Rechts von uns Fische, die in der prallen Mittagshitze getrocknet wurden, während links ein ganzes Schwein am Spieß gegrillt wurde. Überhaupt nicht mit den Märkten zu vergleichen, die wir aus Deutschland kennen - sprachlos. Somit war für uns klar, dass wir auf dem Night Market die erste Kostprobe verüben wollten. Auch dort sprangen uns ungewöhnliche Dinge in die Augen, die aber immer noch nett anzusehen waren. Das ungewöhnlichste was uns dort auffiel, war ein gegrillter Frosch, den wir direkt probierten. Auch wenn es nicht ganz unseren Geschmack traf, geht es uns darum, neue Dinge entdeckt und ausprobiert zu haben.
Tuk Tuk - eine typische Art in Asien von A nach B zu kommen. Für uns eine ganz neue Erfahrung. Wenn man bereit ist zu handeln, lässt sich viel am Preis machen und man kann eine lustige Fahrt für wenig Geld genießen. Allerdings sollte man nicht Unachtsam sein. Viele Tuk Tuk Fahrer verstehen einen nicht immer richtig und versuchen einem Drogen oder ähnliches anzudrehen. Nicht drauf einlassen! Wir sind einfach weiter gegangen und haben uns einen anderen Fahrer gesucht, der unsere Absichten richtig wahrgenommen hat.
Zum krönenden Abschluss in Phnom Penh, wollten wir das kambodschanische Nachtleben kennenlernen. Viele Gassen, viele Bars, viele Leute. Nicht alle Bars vermitteln direkt den richtigen Eindruck. Wenn man halb bekleidete, junge Asiatinnen vor der Tür stehen sieht, sollte man sich im Klaren sein, dass es nicht immer nur um Cocktails geht. Aus diesem Grund haben wir uns weiter auf die Suche gemacht und per Zufall eine wunderschöne Bar über den Dächern Phnom Penh‘s entdeckt und unseren Abend dort ausklingen lassen.
Für uns war Phnom Penh eine neue und zugleich sehr schöne Erfahrung. Man lernt viele neue Leute und deren Gewohnheiten, sowie das kambodschanische Leben kennen. Auch wenn es dort ziemlich touristisch aufgebaut ist, haben wir 5 spannende Tage in der Hauptstadt Kambodschas verbringen können. Wir können sagen, dass der Start unserer Reise und somit der erste Stop ein Erfolg war und wir gespannt sind, was uns noch alles erwarten wird.
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