Kampong Chnang? Hä? Hört sich an wie China! Dachte sich Anna-Lena im ersten Moment auch als ich die kleine Stadt am Tonle Sap als Reiseziel vorschlug. Der Tonle Sap ist ein großer Binnensee inmitten Kambodschas und angeblich eine Schönheit, deswegen war für mich klar das dieser auf unser Reise nicht fehlen durfte.
Hinzu kam der Punkt das wir ohnehin in die Richtung wollten, um nach Battambang zu kommen. Da wir aber beide keine Lust hatten neun Stunden im Bus zu versauern, kam der Plan auf, die Strecke aufzuteilen und einen Zwischenstopp einzulegen. Voller Zuversicht und ohne böse Vorstellung ging es in den Bus. Aber schon auf der Busfahrt merkten wir, dass diese Stadt nicht so werden würde wie die vorherigen Orte die wir bereits bereist hatten. Im Bus saßen ausschließlich Einheimische und begrüßten uns mit musternden Blicken und wir wussten nicht so wirklich wie wir diese aufnehmen sollten. Sind wir fehl am Platz? Haben diese Menschen noch nie Touristen gesehen? Haben wir etwas im Gesicht? Solche Fragen stellt man sich wenn man von einem ganzen Reisebus angestarrt wird. Wir sollten es nicht rausfinden denn auch in der Stadt selber wurde es nicht anders. Die Menschen sahen uns an als würden wir grade frisch vom Mars kommen und einer anderen Spezies angehören. Es ging sogar so weit das einige Kambodschaner mitten auf der Straße quietschend mit ihren Mopeds anhielten um uns zu begutachten. Ich machte mir mit der Zeit einen Spaß daraus aber Anna-Lena fühlte sich ein wenig unwohl - was ich vollkommen nachvollziehen konnte.
Die Stadt an sich war keine Schönheit aber das hat uns bei zwei Nächten nicht wirklich interessiert. Dafür gab es im Umland einige sehenswerte Dinge die wir wunderbar mit unserem gemietetem Roller erkunden konnten.
Floating Village - Noch nie etwas von einem schwimmenden Dorf gehört? Wir auch nicht. Also klar, angucken das Ganze. Gesagt getan. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir den Hafen wo laut Reiseführer die Boote zu den Floating Villages fahren sollten. Keine 10 Minuten und wir saßen in einem, ich nenne es mal Boot. Eine ältere Dame fuhr uns mit einer wirklichen Nussschale über den Tonle Sap in Richtung der schwimmenden Dörfer. Wir hatten keine große Vorstellung von dem was uns das erwarteten würde und waren deshalb umso glücklicher das wir diese Tour gemacht haben. Die Menschen leben hier so unglaublich einfach und sind total zufrieden mit dem was sie haben und herzlich zugleich. Die Menschen leben hier in schwimmenden Häusern auf dem See und ihr einziges Mittel von dort wegzukommen ist das Boot. Die Häuser liegen alle nebeneinander und bilden somit ein richtiges Dorf. Wir entdeckten eine Kirche, eine Schule, mehrere Verkaufsstände und ganz viele kleine Häuser die liebevoll eingerichtet waren. Und das mitten auf nem See. Wir waren erstaunt wie so etwas möglich ist. Außerdem entdeckten wir eine Menge Fisch, logisches Hauptnahrungsmittel auf einem See. Kinder riefen und wunken uns zu und es war einfach eine tolle Atmosphäre durch dieses Dorf zu fahren. Ich wiederhole es gerne. Mitten auf einem See. Nach gut zwei Stunden setzten wir den Rückweg an und wir waren völlig sprachlos was wir da erlebt hatten. Mit so wenig, so glücklich zu sein. Das ist beeindruckend und imponiert uns, lässt uns aber auch nachdenklich machen ob unser Lebensstil der richtige ist. Eine tolle Erfahrung.
Auf unser bisherigen Reise durch Kambodscha kamen wir mit unserem Englisch eigentlich relativ weit und konnten uns gut verständigen. Das änderte sich schlagartig in Kampong Chnang. Kein Mensch konnte englisch. Wirklich keiner. Wie bestellen wir nun etwas zu essen. Apropos Essen. Restaurants? Gibts da auch nicht. Streetfood war angesagt. Für mich ein Segen, für Anna - Lena eine Qual. Nicht das sie ein Problem damit hat auf der Straße zu essen aber erklär mal einem nichtenglischsprechendem Menschen das eine Allergie gegen Karotten vorliegt und diese somit weggelassen werden müssen.Haarig. Mit Händen und Füßen versuchten wir unsere Absichten darzustellen und nach ein paar Anläufen klappte es dann endlich. Das Ergebnis? Es schmeckte köstlich. Einfach hervorragend. Und das für einen Spottpreis.
In Kampong Chhnang hatten wir das Gefühl im richtigen Kambodscha angekommen zu sein. Hier gibt es keinerlei Tourismus und nervige Anbieter, die einem irgendwas andrehen wollen. Hier lebt man mit den Einheimischen. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen, weit ab vom Tourismus zu sein und das echte Leben der Khmer kennenzulernen. Die Stadt selber ist keine Perle, aber die Natur und die Umgebung dafür umso schöner. Da es eigentlich nur als Zwischenstopp dienen sollte, war es ein schöner Aufenthalt in Kampong Chhnang.
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